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PostGenerativ

Benedikt BrünnerMartin EbnerSandra SchönKajetan HoffmannChristian OrtnerPhilipp Leitner

Lehr- und Lerntechnologien, Technische Universität Graz, Österreich

Eine Lebenswelt, die von generativer KI durchdrungen ist.

PostGenerativ bezeichnet einen gesellschaftlichen Zustand, in dem generative künstliche Intelligenz das alltägliche Leben durchdringt. Sie prägt, wie Menschen arbeiten, lernen, kommunizieren, gestalten und Wissen hervorbringen. Ihre Erzeugnisse fließen in Informationen, Werkzeuge und Umgebungen unseres Alltags ein und wirken so auch auf Menschen, die KI nicht bewusst nutzen. [1] Menschliche und maschinelle Beiträge verschränken sich und sind immer schwerer zu unterscheiden. KI-Ergebnisse werden zunehmend ungeprüft übernommen oder weitergereicht. Umfang und Geschwindigkeit der Generierung können die menschliche Kontrolle überfordern. Zugleich entstehen neue Abhängigkeiten: Wer KI-Systeme kontrolliert, beeinflusst den Zugang zu Wissen und Teilhabe. In Anlehnung an das Postdigitale [2] beschreibt das PostGenerative eine von generativer KI bereits veränderte Lebenswelt, deren Möglichkeiten, Erwartungen und Konflikte sie mitprägt.

Begriffsgeschichte /

Am 9. Oktober 2026 hat das Autorenteam Brünner, Ebner et al. den Begriff vorgestellt, um den wahrgenommenen Zustand in Worte zu fassen. Bei der Suche nach dem Begriff zeigte sich, dass er bereits in anderer Bedeutung auftritt: 2025 in Kyoto als ポスト生成AI共生社会 („Post-Generative AI Inclusive Society“). [3] [4]

Generative KI durchdringt die Gesellschaft. Menschliche und maschinelle Beiträge verschränken sich. Bildung, Wissenschaft, Arbeit & Wirtschaft, Politik, Staat & Recht, Kunst & Kreativität, Medien & Öffentlichkeit, Religion & Identität, Privatleben & Gesundheit.
Generative KI durchdringt die Gesellschaft · Menschliche und maschinelle Beiträge verschränken sich. · CC BY 4.0

Verbreitung

EU 2025: 32,7 % der 16- bis 74-Jährigen nutzten GenAI in den letzten drei Monaten. [5] Mehr als 70 % der untersuchten ChatGPT-Nachrichten waren 2025 ohne Arbeitsbezug. [6]

Zwölf Indizien einer postgenerativen Gegenwart

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Das Plakat belegt den Begriff mit zwölf Funden aus Bildung, Wissenschaft, Softwareentwicklung, Politik, Kunst und Religion. Jedes Indiz zeigt einen Ausschnitt der postgenerativen Gegenwart und hat im Archiv eine eigene Seite.

  1. 01 Studienalltag verändert. Nr. 001

    Nagler, Mayr et al. (2026): Über 14.000 Erstsemestrige der TU Graz, 2011-2025. Mehr KI und Tablets, weniger Wikipedia und Open Source. Digitale Souveränität wird zur Herausforderung. [7] MIT (2026) ruft zum Handeln auf: Nur 25 % der Befragten fühlen sich gut auf KI vorbereitet. [8]

  2. 02 Verständnis zählt. Nr. 002

    Die Association for Human Mathematics kritisiert OpenAIs KI-generierte Mathematikresultate. Heise berichtete über den Konflikt um menschliches Verständnis und wissenschaftliche Normen. Einordnen und Prüfen gewinnen gegenüber bloßer Generierung an Bedeutung. [9]

  3. 03 Nachweise ändern sich. Nr. 003

    FHWien / Kroop (2026): Ein experimenteller Ansatz für Masterarbeiten rückt Prozess, nachvollziehbare Entscheidungen und überprüfbare Artefakte ins Zentrum. Akademisch überzeugender Text allein zeigt Verständnis zunehmend unzuverlässig an. [10] Prozess und Verantwortung zählen mehr.

  4. 04 Apps brauchen nur eine Idee. Nr. 004

    Meyer (2025): Proteomik-Webapp aus vier Prompts, laut Preprint unter zehn Minuten. [11] Wang et al. (2026): Inventar-App für Brachytherapie, rund 13 Stunden und 115 Prompts. Fallbeispiele, keine allgemeine Garantie. [12]

  5. 05 Software wird erzeugbar. Nr. 005

    Artcraft: Ein Entwickler baut mit KI freie Adobe-Alternativen. Noch frühe Alpha mit fehlenden und defekten Funktionen. derStandard.at berichtet über neue Möglichkeiten der Softwareentwicklung. [13]

  6. 06 Prüfung kommt nicht mit. Nr. 006

    Torvalds (2026): Flut doppelter KI-Sicherheitsberichte, er fordert Verständnis. [14] Stenberg (2026): Überlast selbst durch bessere Berichte. [15] Kalz (2024): KI-generiertes Fachbuch übernimmt Textpassagen, der Verlag sieht kein Plagiat. [16] Human in the loop wird zum Engpass.

  7. 07 Software on the fly. Nr. 007

    Schon heute erzeugt OpenAIs Intelligent UI [17] interaktive Rechner, Spiele und Oberflächen direkt im Gespräch: Werkzeuge entstehen im Moment des Bedarfs, können aber neue Abhängigkeiten schaffen. Unsere These: Die Lebenswelt wird zunehmend situativ mitgeneriert.

  8. 08 KI wird Ministerin. Nr. 008

    Albanien setzt seit 2025 die virtuelle Ministerin „Diella“ bei öffentlichen Ausschreibungen ein. ORF berichtet über Ermittlungen gegen die Betreiber, eine Verfassungsklage und die Klage der Schauspielerin, deren Gesicht und Stimme verwendet wurden. [18]

  9. 09 KI arbeitet am Wissensreview. Nr. 009

    Wagner et al. (2026) beschreiben KI-unterstützte Literaturreviews: Zusammenfassen, Extrahieren und Fragen beantworten. Der Methodenbeitrag diskutiert Chancen und Risiken für die wissenschaftliche Wissensarbeit. [19] Kritisches Prüfen wird zur Schlüsselkompetenz.

  10. 10 Kreative widersprechen. Nr. 010

    Creative Bloq berichtet über Protest aus der Blender-Community gegen OpenAIs Werbung. Die Urheberin eines gezeigten Kunstwerks äußert Empörung. Generierung verändert den Streit um kreative Arbeit. [20]

  11. 11 Kirche zieht Grenzen. Nr. 011

    Papst Leo XIV. warnt laut Medienberichten die Priester seiner Diözese Rom davor, Predigten von KI schreiben zu lassen. KI könne den Glauben nicht weitergeben, auch das Denken müsse trainiert werden. [21]

  12. 12 KI entwickelt KI. Nr. 012

    Chan et al. (2026) untersuchen, ob automatisierte KI-Forschung eine Intelligence Explosion auslösen könnte. Das Cambridge-Papier beschreibt einen möglichen Beschleunigungsmechanismus und dessen Risiken. Zukunftsszenario, kein Beweis heutiger Allgegenwart. [22]

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Stand: 9. Oktober 2026 · DOI: 10.3217/2me8v-szr50

Quellen [1]–[22]

  1. [1] Liang, Weixin; Zhang, Yaohui; Codreanu, Mihai; Wang, Jiayu; Cao, Hancheng; Zou, James (2025): The widespread adoption of large language model-assisted writing across society. Patterns, 6(12), 101366. Online 2. Oktober 2025. Preprint: arXiv:2502.09747. doi.org/10.1016/j.patter.2025.101366 (öffnet in neuem Tab) · doi:10.1016/j.patter.2025.101366 (öffnet in neuem Tab)
  2. [2] Cramer, Florian (2014): What Is ‘Post-Digital’?. A Peer-Reviewed Journal About, 3(1), 10-24. aprja.net/article/view/116068 (öffnet in neuem Tab) · doi:10.7146/aprja.v3i1.116068 (öffnet in neuem Tab)
  3. [3] Kyoto University, Graduate School of Informatics (2025): ポスト生成AI共生社会の展望〜集中、分散、そして第三の道〜. Japanische Ankündigung vom 5. September 2025; Symposium am 8. Oktober 2025. www.i.kyoto-u.ac.jp/topics/2193 (öffnet in neuem Tab)
  4. [4] Kyoto University, Institute for the Future of Human Society (2025): IFOHS Prof. Uchida to Join Symposium on “Prospects for a Post-Generative AI Inclusive Society: Centralization, Decentralization, and a Third Way”. Englische Veranstaltungsnachricht, 8. Oktober 2025. ifohs.kyoto-u.ac.jp/en/archives/36827 (öffnet in neuem Tab)
  5. [5] Eurostat (2025): 32.7% of EU people used generative AI tools in 2025. EU-Erhebung zur IKT-Nutzung von Haushalten und Personen; Veröffentlichung vom 16. Dezember 2025. Datensatz isoc_ai_iaiu. ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20251216-3 (öffnet in neuem Tab)
  6. [6] Chatterji, Aaron; Cunningham, Thomas; Deming, David J.; Hitzig, Zoe; Ong, Christopher; Shan, Carl Yan; Wadman, Kevin (2025): How People Use ChatGPT. NBER Working Paper 34255, September 2025. www.nber.org/papers/w34255 (öffnet in neuem Tab) · doi:10.3386/w34255 (öffnet in neuem Tab)
  7. [7] Nagler, W.; Mayr, B.; Ebner, M.; Schön, S.; Bruenner, B. (2026): Digital Equipment Evolution and IT Activity of TU Graz study beginners (2011-2025): Challenges of Tablet and AI Dominance for University Digital-Sovereignty Initiatives. Proceedings of EdMedia 2026 Edinburgh, S. 119-129. AACE, Waynesville, NC. www.learntechlib.org/primary/p/2129631/ (öffnet in neuem Tab)
  8. [8] Klopfer, Eric; Madden, Sam (Co-Chairs); MIT Ad Hoc Committee on AI Use in Teaching, Learning, and Research Training (2026): AI and Education: Report of MIT’s Ad Hoc Committee on AI Use in Teaching, Learning, and Research Training. Massachusetts Institute of Technology, Abschlussbericht, 13. August 2026. aiandeducation.mit.edu/report/ (öffnet in neuem Tab)
  9. [9] Holland, Martin (2026): „Haben nicht darum gebeten“: Scharfe Kritik an OpenAI aus der Mathematik. heise online, 8. Oktober 2026. www.heise.de/news/KI-generierte-Mathematikloesungen-Scharfe-Kritik-am-Vorgehen-von-OpenAI-11480767.html (öffnet in neuem Tab)
  10. [10] FHWien der WKW (2026): Mehr Prozess, weniger Seiten: Masterarbeiten im KI-Zeitalter neu gestalten. Campus-Blog & News, 10. Juli 2026. www.fh-wien.ac.at/news/mehr-prozess-weniger-seiten-masterarbeiten-im-ki-zeitalter-neu-gestalten/ (öffnet in neuem Tab) · doi:10.1007/978-3-032-28570-6_19 (öffnet in neuem Tab)
  11. [11] Meyer, Jesse G. (2025): Rapid Development of Omics Data Analysis Applications through Vibe Coding. arXiv:2510.09804, Version 1, 10. Oktober 2025. arxiv.org/abs/2510.09804 (öffnet in neuem Tab) · doi:10.48550/arXiv.2510.09804 (öffnet in neuem Tab)
  12. [12] Wang, Tonghe; Beaudry, Joel; Damato, Antonio L.; Kollmeier, Marisa; Aramburu Núñez, David (2026): AI-assisted software development for brachytherapy seed inventory management. Journal of Applied Clinical Medical Physics, 27(9), e70795. 9. September 2026. aapm.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/acm2.70795 (öffnet in neuem Tab) · doi:10.1002/acm2.70795 (öffnet in neuem Tab)
  13. [13] Proschofsky, Andreas (2026): Von Adobe genervter Entwickler baut Photoshop, Premiere und Co mit KI als Open Source nach. derStandard.at, 8. Oktober 2026. www.derstandard.at/story/3000000343256/von-adobe-genervter-entwickler-baut-photoshop-premiere-und-co-mit-ki-als-open-source-nach (öffnet in neuem Tab)
  14. [14] Torvalds, Linus (2026): Linux 7.1-rc4. Linux Kernel Mailing List, 17. Mai 2026. lkml.org/lkml/2026/5/17/896 (öffnet in neuem Tab)
  15. [15] Stenberg, Daniel (2026): High-Quality Chaos. Blog des curl-Gründers und Maintainers, 22. April 2026. daniel.haxx.se/blog/2026/04/22/high-quality-chaos/ (öffnet in neuem Tab)
  16. [16] Kalz, Marco (2024): A plagiarised edtech book and nobody cares. Persönlicher Blog (kalz.cc), 8. März 2024. kalz.cc/2024/03/08/a-plagiarised-edtech-book-and-nobody-cares/ (öffnet in neuem Tab)
  17. [17] OpenAI (2026): GPT-6 und Intelligent UI für alle. Produktankündigung, 7. Oktober 2026. openai.com/de-DE/index/gpt-6-for-everyone/ (öffnet in neuem Tab)
  18. [18] ORF.at (2026): Korruption in Albanien: Fehlgeleitete KI-Ministerin vor Gericht. ORF.at, 26. Mai 2026. orf.at/stories/3431001/ (öffnet in neuem Tab)
  19. [19] Wagner, Gerit; Prester, Julian; Mousavi, Reza; Lukyanenko, Roman; Paré, Guy (2026): Generative Artificial Intelligence for Literature Reviews. Journal of Information Technology, 02683962261425675. Auch arXiv:2605.16475, 15. Mai 2026. arxiv.org/abs/2605.16475 (öffnet in neuem Tab) · doi:10.1177/02683962261425675 (öffnet in neuem Tab)
  20. [20] Creative Bloq (2026): OpenAI's controversial ChatGPT-6 Astra advert paints a sad vision of the future. Creative Bloq, 6. September 2026. www.creativebloq.com/ai/even-just-the-advert-for-chatgpt-6-astra-is-creating-controversy (öffnet in neuem Tab)
  21. [21] Erzdiözese Wien (2026): Papst Leo XIV.: Priester sollen Predigten nicht von KI schreiben lassen. erzdioezese-wien.at, 20. Februar 2026. www.erzdioezese-wien.at/portal/archiv/article/136314.html (öffnet in neuem Tab)
  22. [22] Chan, Alan; Winter, Christoph; Barto, Andrew; et al. (2026): What if automating AI R&D triggers an intelligence explosion?. Cambridge Programme on AI Science & Policy, University of Cambridge. casp.ac/reports/intelligence-explosion (öffnet in neuem Tab)