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title: Wenn KI-Code kein Etikett mehr braucht
author: Benedikt Brünner
date: 2026-10-19
url: https://postgenerativ.at/indizien/2026-10-19/wenn-ki-code-kein-etikett-mehr-braucht
lang: de
type: Indiz
summary: Die Linux-Kernel-Entwicklung verabschiedet sich von der verpflichtenden Kennzeichnung KI-unterstützter Beiträge. KI ist im Programmieralltag offenbar bereits so verbreitet, dass der bisherige Hinweis kaum noch Aussagekraft besitzt.
tags:
  - Software
  - Open Source
  - Arbeit
sources:
  - title: "Phoronix: Linux Kernel Developers Plan To Remove Assisted-By Tag Requirement (13.10.2026)"
    url: https://www.phoronix.com/news/Linux-Dropping-Assisted-By-Req
  - title: "Linux-Kernel-Mailingliste: Diskussion zur Assisted-by-Kennzeichnung"
    url: https://lkml.iu.edu/2610.1/11749.html
  - title: "Sasha Levin: Linux-Kernel-Patch zur Entfernung der KI-Kennzeichnung (13.10.2026)"
    url: https://lkml.iu.edu/2610.1/11683.html
  - title: "Linux Kernel: Guidelines for Tool-Generated Content"
    url: https://docs.kernel.org/process/generated-content.html
license: CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
alternate:
  en: https://postgenerative.at/indications/2026-10-19/when-ai-code-no-longer-needs-a-label
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# Wenn KI-Code kein Etikett mehr braucht

Wie wichtig ist es noch, KI-generierten Code als solchen zu kennzeichnen?

Im Oktober 2026 verständigten sich die Verantwortlichen des Linux-Kernels darauf, die bisherige Kennzeichnung `Assisted-by: LLM` für KI-unterstützte Beiträge abzuschaffen [1]. Ein entsprechender Änderungsvorschlag wurde am 14. Oktober in den Dokumentationsentwicklungszweig übernommen [2].

Die Begründung ist bemerkenswert: Nur rund **10 % von 18.533 untersuchten Codeänderungen** trugen diese Kennzeichnung, obwohl KI-Werkzeuge bereits wesentlich häufiger eingesetzt werden [3]. Das Fehlen eines solchen Hinweises sagt damit kaum noch etwas darüber aus, ob KI beteiligt war.

Transparenz wird deshalb nicht grundsätzlich aufgegeben. Die Entwickler:innen sollen weiterhin nachvollziehbar machen können, wie ihre Beiträge entstanden sind, und die Verantwortung für den eingereichten Code übernehmen [4].

Wenn selbst der Linux-Kernel, eines der größten und offensten Softwareprojekte der Welt, keine Kennzeichnung mehr verlangt, stellt sich die Frage: Was tun dann Unternehmen, deren Code niemand einsehen kann? Wer dort KI einsetzt, muss es heute schon niemandem sagen, und künftig fehlt sogar das Vorbild, es freiwillig zu tun.

Und es betrifft uns ganz direkt: Diese Website läuft auf einem Server mit Linux. Ob in ihrem Kernel schon KI-Code steckt, lässt sich nicht sagen, und genau das ist der Punkt.

*Ein weiteres Indiz für eine postgenerative Gegenwart: KI steckt längst in der Infrastruktur, auf der alles andere läuft.*
